Unser Buchtipp Archiv


Junger Mann


Was tut ‚Mann‘ nicht alles für die Angebetete

Der österreichische Autor Wolf Haas ist vielen als Autor der kauzigen „Brenner“-Krimis bekannt. Im Abstand von etlichen Jahren erscheint immer mal wieder ein alleinstehender Roman von ihm – zum Glück. Wir lernen in „Junger Mann“ einen übergewichtigen 13jährigen Dorfjungen in den 1970er Jahren kennen. Bei seinem Ferienjob an der Tankstelle lernt er die schon 20jährge Elsa kennen und verliebt sich in sie. „Das Gute am Verlieben: Die Elsa. Das Problem am Verlieben: Ihr Ehemann.“ Das Problem versucht er zunächst in den Griff zu bekommen indem er sich zum Abnehmen diszipliniert und der Elsa anbietet, ihr Englisch beizubringen. Der LKW-fahrende Ehemann ist oft unterwegs, so dass es Zeit genug für den jungen Mann gibt, sich ins Zeug zu legen.

Der Roman lebt von der Sympathie des Autors für den nicht gerade vom Leben begünstigten Teenager, von der geschilderten Dorfatmosphäre, dem Sound der 1970er und den Sehnsüchten der in weiten Teilen lebensuntüchtigen Eltern. Mit viel Witz und Einfallsreichtum wird die Geschichte zu einer Reise in die Innenwelt des Verliebten sowie durch Süd- und Osteuropa mit verblüffenden Geschehnissen und Einsichten. Ein Lesevergnügen!



Buchtitel: Junger Mann

AutorIn: Wolf Haas

Verlag: Hoffmann & Campe

Preis: € 22,00

ISBN: 978-3-455-00388-8

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Mittagsstunde


Die dörfliche Welt und das innere Erleben

Nach dem sehr erfolgreichen Debüt „Altes Land“ in 2015 waren wir gespannt auf den neuen Roman von Dörte Hansen. Die Erwartungen wurden weit übertroffen. „Mittagsstunde“ ist zwar auch ein Dorfroman wie „Unterleuten“ von Juli Zeh und „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky, wird aber von einem ganz anderen literarischen Wind durchweht.

Endvierziger Ingwer Feddersen kehrt für ein Sabbatjahr in sein nordfriesisches Heimatdorf „Brinkebüll“ zurück um seinen betagten Großeltern behilflich zu sein. Eigentlich kommt ihm die Unterbrechung seines stagnierten Kieler Hochschul- und WG-Lebens ganz recht, findet er doch keinen Dreh, seinem Wunsch nach Veränderung Gestalt zu geben. Die Rückkehr in den Dorfkrug seines Großvaters weckt Kindheitserinnerungen des erwachsenen Archäologen. Schicht für Schicht legt Ingwer die Einflüsse bloß, die für sein Leben richtungsweisend waren. Dazu gehören auch Ereignisse, die zum Mythos der schwindenden Dorfgemeinschaft gehören.

Dörte Hansen schafft eine unwiderstehliche Leseatmosphäre. Die tiefen Einblicke, die sie in die Dorfgemeinschaft ermöglicht verbunden mit ihrer empathischen aber unsentimentalen Erzählhaltung und den Fragen, die sie ihrer Hauptfigur stellt, ergeben einen vielschichtigen, faszinierenden und amüsanten Roman.



Buchtitel: Mittagsstunde

AutorIn: Dörte Hansen

Verlag: Penguin

Preis: € 22,00

ISBN: 978-3-328-60003-9

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Kinder des Zufalls


Was wäre wenn - In umgekehrter Reihenfolge

Der neue Roman von Astrid Rosenfeld, die viele wegen ihres bemerkenswerten Debüts  „Adams Erbe“ aus dem Jahre 2011 schätzen, ist der Band mit der Nr. 1 aus dem neugegründeten Kampa-Verlag. Eine gute Wahl von Daniel Kampa, der vom Diogenes Verlag  kommend über Hoffmann & Campe erneuernd nun die Eigenständigkeit gewählt hat. Und das ist sie nun, die 1. Neuerscheinung. Wie so vieles im Leben des Verlegers und der Autorin ist auch in der erzählten Geschichte dem Zufall zu verdanken.

Vom 11. März 1977 beginnend schlängelt der Roman sich durch Raum und  Zeit, von Texas über den Ozean nach Europa und zurück in unsere Gegenwart - vom Knaben Maxwell zu den Eltern, den Großeltern und wiederum zurück. Es sind Begegnungen, Verluste und mutige Entscheidungen, die das Leben der Romanfiguren beeinflussen – und immer wieder der Zufall. An manchen Stellen hält man inne und überlegt noch mal, wer wann wo wie wen traf – die Lust an der Geschichte, an der raffinierten Erzählkunst und dem wunderbaren Blick auf die Figuren verliert man aber an keiner Stelle. Astrid Rosenfeld ist eine grandiose Erzählerin.



Buchtitel: Kinder des Zufalls

AutorIn: Astrid Rosenfeld

Verlag: Kampa

Preis: € 22,00

ISBN: 978-3-311-10001-0

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Vox


In den USA haben bibeltreue Fundamentalisten die Macht übernommen. Eines der neuen Gesetze trifft die weibliche Bevölkerung mit voller Härte: Frauen dürfen nur noch 100 Worte am Tag sprechen. Die Strafen sind drastisch, die Folgen unvorstellbar: Frauen können nicht mehr kommunizieren, nicht mehr berufstätig sein, sind isoliert, ans Haus gebunden.

Exemplarisch wird hier die Geschichte von Jean er zählt, Wissenschaftlerin, Ehefrau und Mutter. Und durch die neue Situation jeder Eigenständigkeit und Freiheit beraubt. Ihr Mann wird ihr fremd, Sohn und Tochter durch die Ausbildung verändert.

Als ihr Kokon durch Ereignisse aufbricht, fasst sie den Mut, diese Chance zu nutzen…

Ja, die Geschichte ist beklemmend, verstörend aber der Roman ist kraftvoll und anregend. Das ist ein wichtiges und sehr empfehlenswertes Buch zum Thema Freiheit, Selbstbestimmung und Emanzipation.



Buchtitel: Vox

AutorIn: Christina Dalcher

Verlag: S.Fischer

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-10-397407-2

Gelesen und empfohlen von: Simone Rapelius



Ich komme mit


Dieser Roman macht

lese- und lebenssüchtig

Vita Maier ist Anfang 70 und lebt alleine in einem Züricher Mietshaus. Der Mann lebt nicht mehr, der Sohn ist weit weg in Australien und lange nicht gesehen. Vita ist eine eigenwillige, nicht unzufriedene Frau. Sie hat aber irgendwie keine Lust mehr, noch viel länger zu leben. Im Haus wohnt auch immer mal wieder Lazar Laval. Zunächst als Junge, später als Student. In ihm lernen wir einen liebenswerten romantischen jungen Mann kennen, dem das Leben zusetzt.

Die schweizerische Autorin Angelika Waldis, die uns mit ihrem Roman „Aufräumen“ schon so verblüffend vergnügt hat, erzählt nun die Geschichte der Bekanntschaft von „Maier, die das Leben satt hat und Lazy, den das Leben satt hat“ in zugleich bezauberndem wie  nichts beschönigendem Ton. Diese Mischung von Kummer und Heiterkeit, gespickt mit lauter vergnüglich-nachdenklichen Überlegungen darüber, was das Leben ausmacht, macht süchtig.

Meinetwegen hätte das Buch noch 200 Seiten mehr haben dürfen. Ein erstaunenswertes Buch für Jedermann und Jederfrau.

Erscheint am: 27.08.2018



Buchtitel: Ich komme mit

AutorIn: Angelika Waldis

Verlag: Wunderraum

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-336-54797-5

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Launen der Zeit


Viele kennen die großartige amerikanische Granddame der Erzählkunst, Anne Tyler, von ihren preisgekrönten Romanen „Atemübungen“, „Kleine Abschiede“ und „Der leuchtend blaue Faden“. Auch der neue, etwas schmalere Roman, der 1941 geborenen und in Baltimore lebenden Autorin, widmet sich dem Erleben einer weiblichen Hauptfigur.

Willa ist eine sympathische, kluge und wenig auffallende Frau, die vieles in ihrem Leben als richtig empfindet, weil sie so lebt und handelt, wie es üblich ist in ihrem Umfeld – so wie andere Frauen sich in ihren Leben auch eingerichtet  haben.

Mit zärtlichem Witz und Feingefühl erzählt Anne Tyler wie Begebenheiten, die für die Umwelt ohne Belang sind, für Willa  irritierend und richtungsweisend werden. Wir begleiten Willa durch ihr keinesfalls eintönig verlaufendes Leben bis in ihren heutigen Ruhestand.  Wie sie sich durch diese erlebten Irritationen sehr langsam über ihre eigenen Belange bewusst wird, ist feinsinnig erzählt, vergnüglich und leichtfüßig zu lesen.



Buchtitel: Launen der Zeit

AutorIn: Anne Tyler

Verlag: Kein + Aber

Preis: € 22,00

ISBN: 978-3-0369-5775-3

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Eine Frau von Geist


Der geheimnisvolle Zauber des

Puppenhauses von Königin Mary

 

 

Das Vorhaben, Sommerlektüre vorzustellen, habe ich zugunsten einer wunderschönen Neuerscheinung aufgegeben. Denn wann ist schon einmal Gelegenheit, einen neuen Text von Vita Sackville-West anzupreisen?

Für „Queen Mary's Dolls' House“, ein aus den 1920er-Jahren stammendes nicht zu Spielzwecken gebautes  Miniaturhaus im Maßstab 1:12, das auf Windsor Castle besichtigt werden kann, wurden weder Kosten noch Mühen gescheut, dieses lebensecht zu gestalten. Der Luxus reicht von fließendem Wasser über funktionierende Aufzüge bis hin zu von renommierten Malern speziell angefertigten Gemälden für die Miniaturgalerie.

Vita Sackville-West war eine der Autorinnen, die beauftragt wurde, einen Text für die Miniaturbibliothek zu schreiben. Diese Erzählung „Eine Frau von Geist“ wurde erst jetzt entdeckt und entzückt mit seiner märchenhaften Eleganz und seinem spitzbübischem Witz.

Die Illustratorin Kate Baylay hat aus der liebenswerten Geschichte um das weibliche Hausgespenst im Puppenhaus, das sein mondänes  Leben in der Miniaturwelt fortsetzt, ein kunstvolles, sehr ansprechendes Geschenkbuch für alle Frauen von Geist gemacht.



Buchtitel: Eine Frau von Geist

AutorIn: Vita Sackville-West

Verlag: Gerstenberg

Preis: € 26,00

ISBN: 978-3-8369-2150-3

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Wie der Fußball in die Welt kam


Als Gott nach getaner Schöpfung sein Büro aufräumt, wirft er das Modell der Erde ins Paradies, damit die Menschen nicht länger glauben, auf einer Scheibe zu leben. Das ist die Geburtsstunde des „Fußballs“. Adam ist hin und weg von diesem hüpfenden Gegenstand und Eva schnell genervt von seiner Obsession. Daher bedenkt sie raffinierte Bedingungen, die weder seinen Spaß noch ihr liebevolles Miteinander behindern. Natürlich spricht sich die Neuigkeit im Paradies schnell rum und wollen alle großen und kleinen Tiere auch mal ran und dabei sein.

Wie Eva dieses Durcheinander in sinnvolle Bahnen lenkt, so dass sich ihr Gemüsegarten von der Kickerei erholen kann, ein Tor erfunden wird (ohne Bäume zu fällen, da das im Paradies nicht gemacht wird) und alle sich an die Regeln halten, ist unglaublich  originell und witzig von Helme Heine erfunden, aufgeschrieben und illustriert worden.

Auch wer sich nicht für Fußball interessiert, findet in diesem Buch eine sehr liebenswerte, witzige Geschichte mit lustigen Bildern.



Buchtitel: Wie der Fußball in die Welt kam

AutorIn: Helme Heine

Verlag: edtion chrismon

Preis: € 12,00

ISBN: 978-3-96038-129-7

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Die Unvollkommenheit der Liebe


Ein sehr lesenswerter Roman der Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Strout:

Rückblickend erinnert sich Lucy Barton an ihren längeren Krankenausaufenthalt und den Besuch ihrer Mutter, die sie Jahre nicht gesehen hat. Es ist eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, Lucys Kindheit war von Armut und Angst geprägt. Doch wir lesen keine bittere Abrechnung, sondern eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, ein Nachdenken über Veränderungen und über  Beziehungen, die selbstbestimmt sind.



Buchtitel: Die Unvollkommenheit der Liebe

AutorIn: Elizabeth Strout

Verlag: btb

Preis: € 10,00

ISBN: 978-3-442-71657-9

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Ein Liebesbrief an New York


Roz Chast, bekannt für ihre Cartoons im "New Yorker", zeichnete und beschrieb in ihrem sehr erfolgreichen, vorherigen Buch  das Altwerden ihrer Eltern. In ihrem neuen Buch zeichnet und beschreibt sie ihre Heimat: Manhattan.

Zu Beginn hatte sie ihrer Tochter nur ein Heft gezeichnet, das dieser helfen sollte, sich in New York zurechtzufinden. Daraus wurde dann diese Liebeserklärung, die einem Manhattan ganz nahe bringt, so als wäre man vor Ort und das ganz  ohne Lärm und Gedränge. Frei Schnauze erzählt sie vom Grundriss der Stadt und den liebenswerten Eigentümlichkeiten. Das können mal Standrohre sein, mal ulkige Schaufenster oder Geschäfte. Sie berichtet von Veränderungen und auch von ihren Lieblingsorten. Dabei nimmt sie kein Blatt vor den Mund und vor allem nimmt sie Stifte in die Hand und illustriert das alles witzig locker und doch wunderschön und informativ. Das Lesen dieses ungewöhnlichen Buches macht großen Spaß und Fernweh.



Buchtitel: Ein Liebesbrief an New York

AutorIn: Roz Chast

Verlag: Rowohlt

Preis: € 18,00

ISBN: 978-3-498-00945-8

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Der Zopf


Eine Inderin, die bereit ist, alles aufs Spiel zu setzen, um ihrer kleinen Tochter eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen. Eine junge Frau aus Sizilien, die das Familienunternehmen vor dem Untergang retten will. Eine kanadische Anwältin, die durch einen Schicksalsschlag den Boden unter den Füßen zu verlieren droht…

Die Autorin Laetitia Colombani verbindet in ihrem Roman die Schicksalsstränge dieser drei Frauen - Stück für Stück, gekonnt verwoben und dicht erzählt. Es bleibt der Eindruck, dass die Heldinnen, die sich niemals begegnen werden, mehr verbindet als ein schwarzer Zopf aus dicken Haarsträhnen: nämlich ihre Stärke, die Liebe zur Familie und der Wille, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen.



Buchtitel: Der Zopf

AutorIn: Laetitia

Verlag: S.Fischer

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-10-397351-8

Gelesen und empfohlen von: Simone Rapelius



Lennon


Wie wäre es, wenn John Lennon vor Ihnen säße und Ihnen sein Leben erzählen würde? Von den verwickelten, trostlosen Anfängen bis zum Dasein eines Idols in einem nie dagewesenen Fankult, von den Freunden und Rivalen, von den Frauen in seinem Leben und der einen Liebe, von Drogen, Sex, Dummheit, Suche, Größenwahn und den Empfindungen für die eigenen Kinder?

David Foenkinos, der schon mit dem Buch über die Künstlerin Charlotte Salomon bewiesen hat, dass er ein respektvoller Biograph und gekonnter Autor von Lebensgeschichten ist,  hat  - angetrieben von seiner eigenen Bewunderung -jahrzehntelang leidenschaftlich zu John Lennon recherchiert. Absolut überzeugend gibt er uns bis zum Vorabend seiner Ermordung Einblick in die Gedanken und Empfindungen des 40 jährigen John Lennons. Dieser Roman besticht durch die Schilderung der Gedanken und Empfindungen Lennons, die sich beim Erinnern einstellen. Das wirkt nicht nur authentisch sondern verblüffend wahrhaftig in seiner tiefgründigen Ehrlichkeit.

 



Buchtitel: Lennon

AutorIn: David Foenkinos

Verlag: DVA

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-421-04799-1

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Augustinus


…und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.

Über Augustinus (354-430), zuletzt Bischof von Hippo in Nordafrika gibt es seit seinem Tode vor knapp 1.600 Jahren eine kaum überschaubare Flut von Veröffentlichungen, weltweit. In Kenntnis dessen geht der Autor und Althistoriker Robin Lane Fox das überaus gelungene Wagnis ein, ein weiteres und zugleich bewusst längeres Buch zu schreiben. Dabei beschränkt er sich auf den Lebenszeitraum von Augustinus‘ Geburt bis zur Niederschrift (397) der „Confessiones“, dem Buch seiner Bekenntnisse in Form eines anhaltenden Gebets. Diese Schrift entstand etwa 10 Jahre nach seinem Aufenthalt in Mailand, dem Ort seiner abschließenden Wandlung und zwei Jahre nach seiner Bischofsweihe.

Eindrucksvoll entfaltet Robin Lane Fox dabei als glanzvoller Erzähler die Erinnerungen Augustinus bis zu dessen Alter von dreiundvierzig Jahren und untermauert diese detailreich: Augustinus, der als ursprünglich unwilliger Elementarschüler zum philosophisch interessierten und geistigen Hochflieger geriert. Augustinus lässt sich zuerst begeistern durch Vergils „Aeneis“ und Ciceros „Hortensius“ dann von der Lehre des „Mani“, zu der aber zunehmend auf Distanz geht, später intellektuell bekämpft. Er wendet sich den Schriften der Philosophen Platon und Plotin zu, die ihn zwar stark beeinflussen aber schlussendlich nicht die Fragen beantworten, die ihn zutiefst bewegen. In Mailand lernt er den Bischof Ambrosius kennen und lässt sich von dessen Predigten und allegorisierende Leseweise der „Schrift“ beeindrucken. Augustinus liest nun vorrangig aus der „Schrift“.

Nach verzweifeltem Suchen erlebt Augustinus dann in der sogenannten „Gartenszene“ die entscheidende Wandlung, sagt seinem obsessiven körperlichen Trieb ab, empfängt die Taufe durch Bischof Ambrosius. Es geht dabei aber nach dem Autor nicht um eine Bekehrung, sondern um die Abkehr von Sex und weltlichem Streben. Kurz vor der Heimreise in Ostia, stirbt seine Mutter Monnika, die ihm bis nach Mailand gefolgt war und bis hierher eine besondere Rolle in seinem Leben einnahm.

Ab 388 bleibt Augustinus bis zum Tod in Afrika, lebt zuerst mit einigen Freunden in asketischer Lebensweise, wird gegen seinen Willen 391 zum Priester geweiht und 395 zum Bischof. Hier enden die „Confessiones“ in ihrem biographischen Teil zum Ende des neunten Buches, somit im Kern auch die meisterliche Erzählung von Robin Lane Fox.

Er lässt sich, obwohl in seiner Einleitung explizit notiert, dass er Augustinus‘ Glauben nicht teilt, auch auf die nicht biographischen letzten vier Bücher der „Confessiones“ ein. Mit sympathisierendem Verstehen verfolgt der Autor die philosophischen und theologischen Gedankengänge und Schlussfolgerungen des Augustinus. Dazu gehört auch dessen demütiges Zurücknehmen, wann immer er an die Grenzen des eigenen Denkens stößt.

Zum Verständnis der historischen Verhältnisse im Römischen Reich und der Entwicklungswege eines Mannes wie Augustinus werden erhellende Vergleiche zu zwei anderen Persönlichkeiten, in etwa Zeitzeugen des Augustinus, sozusagen als Variationen zu Augustinus‘ Lebens geboten. Es sind dies der Heide Libanios aus dem nordsyrischen Antiochia und der Christ Synesios aus dem nordafrikanischen Kyrene; beide mit ähnlichen Ausbildungen wie Augustinus; beide nicht solche Geistesgrößen wie dieser. Dazu entwickelt der Autor auch zwei Exkurse über die Lehre der „Manichäer“, deren „Auditor“ Augustinus neun Jahre lang war und über die Philosophen Platon und vor allem Plotin, derer sich Augustinus auch zukünftig bedienen wird. Kenntnisreich und gut verständlich vermittelt Robin Lane Fox beides.

Robin Lane Fox erzählt phantasieanregend im besten Sinne diesen Augustinus und sein Leben, stellt sich dabei nicht über ihn, da er - und so betont er ausdrücklich - fasziniert ist von Augustinus, dessen Intelligenz und grandiose Wortgewandtheit. Darüber hinaus schätzt der Autor Augustinus‘ Schriften, insbesondere die „Confessiones“. Dies muss er nicht betonen. Uns, als Leser seines Buches lässt er an dieser, seiner Faszination partizipieren. Ein spannendes Buch eines wortgewandten und quellensicheren Historikers über eine Geistes- und Glaubensgröße in der Spätantike. Dieses in vielerlei Sinne zu verstehende „Geschichts-Buch“ ist erfreulich lesenswert, dabei gut verständlich, trotz wissenschaftlichem Fundament.



Buchtitel: Augustinus

AutorIn: Robin Lane Fox

Verlag: Klett-Cotta

Preis: € 38,00

ISBN: 978-3-608-98115-5

Gelesen und empfohlen von: Josef Simmes



Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt


Ein wunderbarer Sound, wunder volle Menschen – ein schrecklich beschwerliches Leben, voller Armut, Krankheit, Tod und Verderben. Jesmyn Ward (Jg. 1977) hat 2 Romane geschrieben und für beide den National Book Award zugesprochen bekommen – das hat es noch nie gegeben. Ihre Art zu schreiben ist mit der von  James Baldwin vergleichbar.

Wir treffen Menschen, die sich in den Sumpfgebieten rund um New Orleans  durchs Leben schlagen. Erzählt aus der Sicht des einfühlsamen 13 jährigen Jojo. Zum Weinen.



Buchtitel: Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

AutorIn: Jesmyn Ward

Verlag: Kunstmann

Preis: € 22,00

ISBN: 978-3-95614-224-6

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Wir sind dann wohl die Angehörigen


Auch wenn man keine Lust hat, über die Entführung von Jan Philipp Reemtsma im Jahre 1996 zu lesen, liest man dieses Buch gerne und mit Gewinn. Der seinerzeit 13jährige Sohn Johannes hat in diesem Buch die 33 Tage der Entführung aus der Sicht des Jungen eingefangen. Es gibt viele Details an die er sich erinnert, was dieses Buch aber so lohnenswert macht, ist die Kunstfertigkeit. Wie Scheerer es schafft, die elend langsam verstreichende Zeit und die nie dagewesenen Gefühle im Text spürbar zu machen, das liest sich spannend, flüssig, zuweilen beklemmend aber tatsächlich mit viel Gefallen.



Buchtitel: Wir sind dann wohl die Angehörigen

AutorIn: Johannes Scheerer

Verlag: Piper

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-492-05909-1

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Töchter


Martha und Betty sind Freundinnen seit Jugendzeiten, sie haben sich bis Anfang 40 mehr schlecht als recht durchs Leben gekämpft. Als Marthas Vater sterbenskrank von seiner Tochter in die Schweiz gefahren werden möchte, kommt Betty mit an Bord. Zu dritt machen sie sich im alten VW-Golf von Marthas Vater auf den Weg.

Ein ungewöhnliches Roadmovie tut sich vor unseren Augen auf: der Vater recht unbedarft,  die Frauen auf der Schneide des Sarkasmus aber der Zuneigung fähig.

Die mit Witz erzählte Handlung, gepaart mit den Gefühlen der Protagonistinnen, die natürlich auch ihre eigenen Leben resümieren ist faszinierend für diejenigen, die um die Anstrengung des Kopf-über-Wasser-Haltens wissen (für alle anderen auch).

Lucy Fricke, (Jg. 1974 aus Hamburg) hat einen unverwechselbaren Erzählton, der Höhen und Tiefen beherrscht, leicht daherkommt  und doch Platz für eigen-sinnige, verblüffende Gedanken und Formulierungen hat. „Und die Frage ist nicht, woher wir kommen, sondern: Wie finden wir da wieder raus?“

Das ist ein Roman vom Kaliber „Lieblingsbuch des Jahres“!



Buchtitel: Töchter

AutorIn: Lucy Fricke

Verlag: Rowohlt

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-498-02007-1

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Die amerikanische Prinzessin


Als Fuhrwerkstochter 1872 in Wisconsin geboren, als Patentante von Königin Beatrix im Gedächtnis – das ist das unglaubliche Leben der Allene Tew, die niemals einen Beruf erlernte und dank ihrer Intelligenz und ihres eisernen Willens Wohlstand und ozeanübergreifendes Ansehen erlangte.

Fünf Ehen waren dazu nötig - eine davon friedlich – viele Schicksalsschläge mussten verkraftet werden, um ein Leben wie ein Drehbuch zu führen, die richtigen Leute kennenzulernen und in der Geldaristokratie heimisch zu werden. Dass schließlich der Bezug zur europäischen Aristokratie entstand, ist ihrer Fähigkeit zu verdanken, sich nicht unterkriegen zu lassen, vorausschauend zu planen und Menschen miteinander in Kontakt zu bringen.

Eine wunderbar zu lesende Biografie und „Klatschgeschichte“ der frühen High Society, deren Machenschaften und Dünkel bis heute in der amerikanischen Geschichte greifbar sind.



Buchtitel: Die amerikanische Prinzessin

AutorIn: Annejet van der Zijl

Verlag: Theiss

Preis: € 24,95

ISBN: 978-3-8062-3482-4

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Die Ermordung des Commendatore - Eine Idee erscheint


Die Ermordung des Commendatore – Eine Idee erscheint“ – So heißt der erste Band von Murakamis neustem Werk und er  ist - um es kurz zu halten- einfach großartig. In seinem typischen Stil knüpft Murkami eine feinsinnige Geschichte rund um einen nicht mehr ganz so jungen Maler, der von jetzt auf gleich aus seinen gewohnten Bahnen geworfen wird und dies zum Anlass nimmt, sich selbst zu erneuern. Was ihm dabei widerfährt, lassen Mystik und Realität unfassbar nah zusammenrücken.

Dieses Buch ist ein Muss für jeden Liebhaber von „Naokos Lächeln“ und „Kafka am Strand“.



Buchtitel: Die Ermordung des Commendatore - Eine Idee erscheint

AutorIn: Haruki Murakami

Verlag: Dumont

Preis: € 20,99

ISBN: 978-3-8321-8988-4

Gelesen und empfohlen von: Rebecka Piepke



Die goldene Stadt


Im Jahr 1842 wird in der Duisburger Nachbarstadt Uerdingen Rudolph August Berns geboren, der später unter dem Namen Augusto Berns zu zweifelhaftem Ruhm gelangen wird. Schon in seiner Kindheit ist Berns fasziniert von Humboldts Beschreibungen über Peru. Diese Faszination wird der Grundstein für sein erklärtes Lebensziel, die versunken Inkastadt Macu Piccu zu entdecken - Koste es was wolle!

Sabrina Janesch versteht es grandios, den wahren Kern des Lebens von Augusto Berns mit einer fiktiven Handlung zu verweben. Der daraus entstanden Roman entführt den Leser auf ein spektakuläres Abenteuer.



Buchtitel: Die goldene Stadt

AutorIn: Sabrina Janesch

Verlag: Rowohlt Berlin

Preis: € 22,95

ISBN: 978-3-87134-838-9

Gelesen und empfohlen von: Rebecka Piepke



Das Lied der Weite


Kent Haruf versteht es großartig, die Lebenswege der scheinbar einfachen Menschen einer Kleinstadt in den Great Plains zu beschreiben. Die Schicksale dieser Personen sind sehr unterschiedlich: Sie müssen sich den Herausforderungen von Krankheit, ungewollter Schwangerschaft und Einsamkeit stellen. Doch sie werden erfahren, dass Güte, Großzügigkeit und Menschlichkeit die Bande sind, die es ihnen ermöglichen, ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit zu stillen und Glück zu finden. Haruf ist ein Meister der leisen Töne, die lange nachhallen!



Buchtitel: Das Lied der Weite

AutorIn: Kent Haruf

Verlag: Diogenes

Preis: € 24,00

ISBN: 978-3-257-07017-0

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Olga


So kurz und knapp der Titel des neuen Romans von Bernhard Schlink, so kurz und knapp ist auch seine Schilderung der Verhältnisse und Regungen seiner Figuren. Dennoch gelingt es Schlink hervorragend, die Geschichte, die sich über den Zeitraum vom späten 19. Jahrhundert bis in unsere Zeit erstreckt, lebendig  und mit Tiefe zu gestalten.

Olga wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, ist lernbegierig und möchte gegen den Willen ihrer Umgebung Lehrerin werden. Herbert ist ein gut betuchter Junge, der in die Welt hinaus möchte und mehr Träumer denn Planer ist. Die Liebe der beiden ist zunächst eine heimliche, da unmögliche.

In knappen Sätzen entwirft Schlink vor unseren Augen, diese enge Welt, die von Traditionen und Erwartungen gefüllt ist und keinen Sinn für Wissensdurst und Sehnsucht hat. Die beiden finden und machen ihren Weg, doch das Glück ist ihnen nicht hold. Gebannt folgt man der Geschichte, der Rhythmus des Textes fesselt an die Seiten. Man bangt und hofft und sehnt mit Olga, deren Leben von außen betrachtet ein kleines zu sein scheint. Wunderbar wie Schlink die innere Weite der Menschen einfängt und beschreibt.



Buchtitel: Olga

AutorIn: Bernhard Schlink

Verlag: Diogenes

Preis: € 24,00

ISBN: 978-3-257-07015-6

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Frauen, die lieben


Bitte nicht von diesem furchtbaren deutschen Titel abschrecken lassen:

Emma Straub hat einen wunderbaren Roman über das Erwachsenwerden, die Liebe, Beziehungen und das Älterwerden geschrieben. Es wird aus wechselnden Perspektiven aus dem Leben zweier befreundeter Familien in Brooklyn erzählt: Elizabeth und Andrew mit Sohn Max und Zoe und Jane mit Tochter Ruby.

Ein kluges, manchmal witziges und unterhaltsames Lesevergnügen!



Buchtitel: Frauen, die lieben

AutorIn: Emma Straub

Verlag: Droemer/Knaur

Preis: € 19,99

ISBN: 978-3-426-28170-3

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Acht Berge


Der Italiener Paolo Cognetti ist ein leidenschaftlicher Bergliebhaber – das merkt man seinem internationalem Bestseller, der jetzt in deutscher Sprache erschienen ist, auf jeder Seite an. Cognetti erzählt eine Freundschaftsgeschichte zwischen einem Berg- und einem Stadtjungen, die sich über Jahrzehnte erstreckt. Man trifft sich im Sommer im abgeschiedenen  Teil des Aostatals, wenn die Familie aus Mailand in die Ferien fährt. Mit dem gleichaltrigen Bergjungen Bruno, der in sehr einfachen rauen Verhältnissen aufwächst, stromert Pietro tagelang durch die Gegend.  Allmählich versteht er die Sehnsucht der Eltern, die beide in entlegenen Bergdörfern aufwuchsen, und deren Unglück in der Mietswohnung in der Großstadt.

Die Erzählung des menschlichen Wollen und Handelns gespiegelt in der Gewalt und Schönheit der Berglandschaft machen diesen Roman zu etwas Besonderem. Das Kraxeln und Verzweifeln, Sich-Lieben und Hassen, Genießen und Abmühen findet sich wundervoll  in die Szenerie geschrieben. Cognetti schafft es, das Miteinander von Männern, die sowohl in Freundschaft wie in Konflikten kaum miteinander reden, in vielen Facetten in kraftvollen Sprachbildern zu erzählen. Ein starker Text.



Buchtitel: Acht Berge

AutorIn: Paolo Cognetti

Verlag: DVA

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-421-04778-6

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Damals


Vier Geschwister zwischen 40 und 50 samt Anhang treffen sich für einen Sommerurlaub im Haus ihrer Kindheit auf dem Land. Gemeinsam müssen sie entscheiden, ob das Haus verkauft wird oder ob sie es als Feriensitz behalten wollen. Feinfühlig und psychologisch stimmig beschert uns Hadley einen wunderbaren Familienroman über Geschwisterloyalität und deren Rivalitäten. Anfangs- und Schlussteil spielen heute, der Mittelteil in den 60er Jahren. Ein Lesegenuss!



Buchtitel: Damals

AutorIn: Tessa Hadley

Verlag: Piper

Preis: € 22,00

ISBN: 978-3-492-05790-5

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Max


Ein wunderbar erzählter Roman über das Leben und Wirken von Max Ernst.  Sechs Frauen, die in seinem Leben eine wichtige und langjährige Rolle gespielt haben, kommen zu Wort und finden mit ihrem eigenen Werdegang ebenso Niederschlag, wie die Suche nach ernsthafter und lebenslang sich entwickelnder Künstlerschaft eines der bedeutendsten europäischen Künstler des 20. Jahrhunderts – dem weder die Kriegsverletzung aus dem 1. Weltkrieg, noch die Verfolgung der als „entartet“ geltenden Künstler erspart blieb. Eine Reise von Brühl über Paris, Lissabon, Südfrankreich und Venedig in den mittleren Westen der USA – faszinierend.

Sehr klug, sehr einnehmend und respektvoll von Markus Orths komponiert.



Buchtitel: Max

AutorIn: Markus Orths

Verlag: Hanser

Preis: € 24,00

ISBN: 978-3-446-25649-1

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Meeresroman


Ein vermeintlich dünnes Büchlein, das durch die außergewöhnlich schöne Gestaltung auffällt. Darin befindlich die komplette Biografie eines finnischen Kapitäns, der im 19. Jahrhundert im Dienste der Kaufmannschaft auf den Weltmeeren unterwegs war. Wiewohl ihm eigentlich alles misslingt, erhält er stets neue Schiffe und Aufträge. Ein wunderbarer Roman über die Unwägbarkeiten des Lebens – mit feiner Ironie geschrieben, mit nachdenklichem Schmunzeln sehr gerne gelesen.



Buchtitel: Meeresroman

AutorIn: Petri Tamminen

Verlag: mare

Preis: € 18,00

ISBN: 978-3-86648-248-7

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Die Jahre


WOW! Was für ein Mut, was für ein Überblick, was für eine ungewöhnliche Perspektive, was für ein mitreißender Stil, was für eine Bereicherung.

„Die Jahre“ meinen auch die Biografie der sehr bekannten und erfolgreichen französischen Autorin von 1940 bis 2008. Gleichzeitig ist es aber auch die Biografie Frankreichs dieser Jahrzehnte und der Befindlichkeit der Menschen.

Dass das auch außerhalb von Frankreich lesenswert ist, liegt an der wunderbaren Perspektive des „man“ und „wir“ die Annie Ernaux in Perfektion beherrscht.



Buchtitel: Die Jahre

AutorIn: Annie Ernaux

Verlag: Suhrkamp

Preis: € 18,00

ISBN: 978-3-518-22502-8

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Good Night Stories for Rebel Girls


An diesem Buch eines italienischen Herausgeberinnen-Duos ist vieles bemerkenswert. Noch nie wurde so viel Geld (über 1 Million U.S. Dollar) per Crowdfunding für ein Buchprojekt zusammengetragen von Menschen aus über 70 Nationen. 60 Illustratorinnen aus aller Welt haben dieses  wunderschöne Buch gestaltet, in dem 100 außergewöhnliche Frauen porträtiert werden. Auf einer Buchseite Text plus einer Seite Illustration finden sich viele berühmte und ebenso viele völlig unbekannte Frauen aus allen Jahrhunderten bis in die Gegenwart, die eine Idee, einen Traum, einen Wunsch hatten, an dem sie gegen alle Wahrscheinlichkeiten und Widerstände festhielten und Erfolg erlangten. Egal ob wir eine Sportlerin, Wissenschaftlerin, Politikerin oder Künstlerin kennenlernen, alle waren mal Mädchen – und so beginnen die Artikel „Es war einmal ein Mädchen …“ wodurch die zurückgelegte Entwicklung vom Ursprung der Familie und den vermeintlich bestimmenden Traditionen hin zum Erreichten im weiteren Lebenslauf in wenigen Sätzen deutlich erkennbar wird.

In einfacher Sprache, sprüht dieses Buch vor kreativer Energie, Tatendrang und beglückenden Erfahrungen. Durch das Erlangen von nie Dagewesenem, dessen Zeuge wir bei der Lektüre werden, öffnet sich der eigene Horizont und die Vorstellungskraft von Machbarkeit. Ein Buch voller Vorbilder für alle, für Jung und Alt, männlich und  weiblich. Mitreißend und wunderschön gestaltet.



Buchtitel: Good Night Stories for Rebel Girls

AutorIn:

Verlag: Hanser

Preis: € 24,00

ISBN: 978-3-446-25690-3

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



American War


Amerika 2075: Das Land ist nicht mehr wiederzuerkennen. Anhaltende Umweltkatastrophen haben sein Angesicht komplett verändert. Auch politisch hat sich die Lage dramatisch verändert, denn es tobt erneut ein Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten. Ausgelöst wurde dieser durch die Streitfrage, ob man weiterhin fossile Brennstoffe nutzen soll oder nicht. Mitten in diesem Chaos kämpft die Familie Chestnut um ihr Bestehen und muss lernen, ein Leben zu führen in einer Welt, die vergiftet ist von Grausamkeit und Manipulation.

Dieses Buch zieht den Leser mit einer Mischung aus Furcht und Faszination in seinen Bann und, obwohl es wie ein Damoklesschwert über unseren Köpfen hängt, ist es unbedingt lesenswert!



Buchtitel: American War

AutorIn: Omar El Akkad

Verlag: S.Fischer

Preis: € 24,00

ISBN: 978-3-10-397319-8

Gelesen und empfohlen von: Rebecka Piepke



Was man von hier aus sehen kann


Wie geht dörfliches Leben,

wenn das Sprechen schwer fällt?

Tun Sie sich den gefallen und lesen Sie dieses Buch. Es wimmelt von originellen, liebenswerten, melancholischen und witzigen Einfällen, Personen und Begebenheiten - angesiedelt in einer kleinen Ortschaft im Westerwald.

Wenn Selma von einem Okapi träumt, stirbt im Ort jemand innerhalb der nächsten 24 Stunden. Das Buch beginnt mit der Kunde, dass Selma dies wieder geträumt hat. Nun überlegen die Dorfbewohner,  was sie noch unbedingt erledigen, (schriftlich) mitteilen, verstecken müssen, falls es sie selbst trifft. So lernen wir diese Westerwälder als etwas verunsicherte Wesen kennen, die einem sofort ans Herz wachsen.

Geschildert wird dieser Anfang und die folgenden Jahre aus der Sicht von Selmas Enkelin Luise. Ihrem Erwachsenwerden folgen wir  in Bezug zu den Menschen, die ihr wirklich nahe stehen. Das sind nämlich nicht die Eltern, sondern diese einmaligen Charaktere, die das Herz am rechten Fleck haben, auch wenn es ver-rückt oder unter rauer Schale verborgen scheint.

Wo Juli Zeh in „Unter Leuten“ Analyse, Scharfsinn und Sarkasmus walten lässt, schenkt Mariana Leky uns Herz, Verstand und Mitgefühl. Und wenn Sie dann Ihren witzigen Erzählton kennenlernen, wollen Sie das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Auf jeden Fall ein neues Lieblingsbuch.



Buchtitel: Was man von hier aus sehen kann

AutorIn: Mariana Leky

Verlag: Dumont

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-8321-9839-8

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Zeiten des Aufbruchs


Im Herbst letzten Jahres hat die Hamburger Journalistin Carmen Korn *1952 uns alle mit ihrem Romandebüt „Töchter einer neuen Zeit“ überrascht. Viele Kundinnen konnten wir schon mit unserer Begeisterung über diese Freundschaftsgeschichte aus dem Stadtteil Uhlenhorst anstecken. Nun ist zum Glück schon die Fortsetzung „Zeiten des Aufbruchs“ erschienen und wir erfahren endlich, was aus Käthe, Rudi und all den anderen geworden ist

Wir lernen vier Frauen, alle um 1900 geboren, aus unterschiedlichen Milieus kennen, die sich 1918 nach dem 1. Weltkrieg begegnen und lebenslang in Freundschaft verbunden bleiben. Was die Lektüre dieser Romane (1. Teil: 1918-1948, 2. Teil bis 1969) so besonders macht, ist die Form, in die Carmen Korn sie gegossen hat. Sie flicht historische Ereignisse ein, wie sie aus der Sicht der Zeitgenossen wahrgenommen wurden und holt uns Leserinnen quasi in deren Wohnungen. Geschehenes wird uns durch Gespräche, die die Frauen und Ihre Angehörigen miteinander führen, vermittelt. So werden wir Teil ihrer Überlegungen und Auseinandersetzungen im Hoffen und Bangen um die Zukunft. Dies bezieht sich sowohl auf das Politische, auf Krankheit und Alter aber auch auf Beruf und Karriere, auf Liebe, Kinder und Beziehungen.

Als säßen diese Menschen, die einem sehr schnell  vertraut sind, am eigenen Küchentisch und gehörten zum eigenen Freundeskreis. Denn das, was die Menschen in diesen Romanen bewegt, ist oft zeitlos und erstaunlich  aktuell.



Buchtitel: Zeiten des Aufbruchs

AutorIn: Carmen Korn

Verlag: Kindler

Preis: € 19,95

ISBN: 978-3-463-40683-1

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Es ist mein ganzes Leben


In drei verschiedenen Verlagen erschienen in letzter Zeit Bücher über Charlotte Salomon, die ich nicht kannte. Wir lernen eine faszinierende deutsche Malerin kennen, deren Lebenswerk den Titel „Leben? Oder Theater?“ trägt und aus sehr vielen farbig prägnanten Bildern besteht, die die Geschichte ihres Lebens abbilden.

Charlotte Salomon, geb. 1917 in Berlin, stammt mütterlicherseits aus einer großbürgerlichen von Depressionen gezeichneten Familie und hatte einen Mediziner zum Vater, der sich ehrgeizig der Forschung widmete. Früh mutterlos war Charlotte auf Kinderfrauen und Großeltern angewiesen. Ihre Begabung zeigte sich erst recht spät und wurde durch die politische Entwicklung extrem behindert. Sie war eine leidenschaftliche, dem Leben zugewandte Frau, die einen eigenen Malstil für sich gefunden hat: bei der Betrachtung der Bilder findet man sich emotional zwischen Van Gogh und Frida Kahlo wieder.

David Foenkinos schildert in seinem sehr wertschätzenden Roman „Charlotte“ den Leben- und Leidensweg Charlottes und ihrer Familie. Margret Greiner hat eine sehr gute und in den Fakten kenntnisreichere Biografie geschrieben „Charlotte Salomon – Es ist mein ganzes Leben“. Astrid Schmetterling hat sich mehr auf das Werk bezogen und viele Bilder in ihr Buch „Charlotte Salomon – Bilder eines Lebens“ aufgenommen.  Jeder Titel für sich ist ein wunderbarer Zugang -  alle zusammen eine bewegende Lektüre über ein geniales 26jähriges, von den Nazis geraubtes Leben.



Buchtitel: Es ist mein ganzes Leben

AutorIn: Margret Greiner

Verlag: Knaus

Preis: € 19,99

ISBN: 978-3-8135-0721-8

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Die Geschichte der Bienen


Drei Lebensgeschichten in drei Jahrhunderten verwebt Maja Lunde in diesem Roman, der lange nachhallt.

Durch die Arbeiterin Tao in China im Jahr 2098 erfahren wir, wie die Welt ohne Bienen aussehen könnte. Mit William - einem Biologen im England des 19. Jahrhunderts – erleben wir den Beginn der modernen Imkerei. In Ohio im Jahr 2009 begleiten wir den Imker George, dessen Bienenvölker bedroht sind. Natürlich erfährt der Leser viel über Bienen, die das Leben dieser Menschen beeinflussen, doch geht es in allen Handlungssträngen, die die Autorin am Ende gekonnt zusammen führt, auch immer um die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, um Hoffnungen und Enttäuschungen.



Buchtitel: Die Geschichte der Bienen

AutorIn: Maja Lunde

Verlag: btb

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-442-75684-1

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Das geträumte Land


Imbolo Mbue lässt in New York zwei Welten aufeinanderprallen, die gegensätzlicher nicht sein können: eine Einwandererfamilie aus Kamerun und die Familie eines Investment-Bankers bei Lehman Brothers. Jende Jonga wird Chauffeur des Top-Bankers. Seine großen Ziele sind eine Aufenthaltsgenehmigung und eine Green Card, um seinen Kindern eine gute Ausbildung und ein besseres Leben zu ermöglichen. Neni, Jendes Frau, möchte studieren und Apothekerin werden. Durch den Zusammenbruch der Lehman Brothers und die Finanzkrise werden die Pläne beider Familien durcheinandergewirbelt.

Die Autorin erzählt uns keine Geschichte über ‚gute‘ arme Einwanderer und ‚böse‘ reiche Banker von der Wall Street. Stattdessen schildert sie Menschen, die jeweils ihren amerikanischen Traum träumen und verwirklichen wollen. Ein authentischer und warmherziger Roman.



Buchtitel: Das geträumte Land

AutorIn: Imbolo Mbue

Verlag: KiWi

Preis: € 22,00

ISBN: 978-3-462-04796-7

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Glaube Liebe Tod


Das ist ein richtig guter Krimi, den die beiden „Tatort“-Drehbuchautoren hier nach Duisburg verlegt haben. Das Lokalkolorit ist da, wenn auch nicht immer 100 %ig stimmend -  macht aber nichts, da die Hauptfigur Martin Bauer so originell und faszinierend ist. Als evangelischer Polizeiseelsorger mit Familie sollte er sich natürlich nicht in Gefahr begeben und schon gar nicht ermittelnd tätig werden. Er kommt bei diesem vermeintlichen Selbstmord des Polizisten Keunert  allerdings nicht zur Ruhe und recherchiert auf eigene Faust. Dabei begibt er sich und andere in sehr heikle Situationen, was die Lektüre sehr spannend und in manchen Situationen mit Herrn Bauer auch spirituell nachdenklich macht.

Es wird weitere Fälle geben – ich bin sehr gespannt.



Buchtitel: Glaube Liebe Tod

AutorIn: Gallert und Reiter

Verlag: Ullstein

Preis: € 9,99

ISBN: 978-3-548-28891-8

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Die Erfindung der Flügel


Der neue Roman der amerikanischen Autorin, die manche von ihrem erfolgreichen Debüt „Die Bienenhüterin“ kennen mögen, beginnt 1803 in Charleston. Mit Blick auf die Weite des Atlantiks  leben die Gutsbesitzertochter Sarah und das gleichaltrige Sklavenmädchen Handful im selben Haus aber in völlig unterschiedlichen Welten. Die intelligente und wissenshungrige Sarah „genießt“ eine standesgemäße Erziehung als zukünftige Ehefrau und Mutter. Zum 11. Geburtstag erhält sie ihre Sklavin Handful, genannt Hetty, als Geschenk. Sarah empfindet dies als Unrecht und verleiht ihrer Empörung dadurch Ausdruck, dass sie Hetty heimlich Lesen und Schreiben beibringt. Die beiden freunden sich auf eine zurückhaltende Art an.

Der Roman schildert die folgenden Jahrzehnte der Lebensumstände dieser beiden Frauen und ihrer Familien. Sue Monk Kidd hat eine außergewöhnliche Art,  Menschen und ihre Gefühle zu beschreiben und dem Leser nahe zu bringen. Gefesselt folgen wir den Frauen, die sich innerlich gegen die Grenzen ihrer Lebenswelten auflehnen. Sarah weiß, dass Hetty keinerlei Chance hat, aus eigener Kraft, die Freiheit zu erlangen und sucht nach Möglichkeiten ihrem Gewissen zu folgen. Sie will den Menschen begreiflich machen, dass Sklaverei nicht von Gott gewollt sondern ein grobes Unrecht ist.

Ein bewegender  Roman mit kraftvoller Sprache und wunderschönen  wiederkehrenden Motiven. Unvergesslich.



Buchtitel: Die Erfindung der Flügel

AutorIn: Sue Monk Kidd

Verlag: btb

Preis: € 9,99

ISBN: 978-3-442-71467-4

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Ein geschenkter Anfang


Eine Liebesgeschichte über eine Insel – Île de Groix vor der Bretagne – und über einen frisch verwitweten Jo (Ende 50) der den testamentarischen Auftrag seiner Lou erhält, er möge ihre Kinder glücklich machen – dann könne das Erbe angetreten werden. Die beruflich erfolgreiche und gesundheitlich angeschlagene Tochter Sarah hat sich ebenso wie ihr Bruder Cyrian ins Großstadtleben verbissen und in Beziehungen verfranzt. Jo, der zärtlich an seine verstorbene Frau Lou denkt und sich liebevoll erinnert, stapft zunächst ratlos in die Privatangelegenheiten der Kinder und Enkelkinder, bis sich so langsam alles in Bewegung setzt -  die liebenswerten, lebendigen Enkeltöchter spielen dabei eine große Rolle. Großes (Gefühls-)Kino!



Buchtitel: Ein geschenkter Anfang

AutorIn: Lorraine Fouchet

Verlag: Atlantik Verlag

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-455-60056-8

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Mit jedem Jahr


Wir lernen im 1. Kapitel das aufgeweckte amerikanisches Mädchen Harvey mit einem liebevollen Vater und einer zurückhaltend, besorgten Mutter kennen. (Schnitt) 20 Jahre später in Paris freut Harvey sich auf den Besuch ihres Vaters. Aufgeregt bereitet sie sein Vatertagsgeschenk vor, das aus lauter Kleinigkeiten besteht, die in Zusammenhang mit ihrer Geschichte stehen. Bei ihren Spaziergängen durch Paris erinnern sie sich und uns an (wunderbar feinfühlig erzählte) Ereignisse aus der Vergangenheit. Was macht uns aus – scheint dieser zärtliche Roman zu fragen? Was bedeutet Herkunft für uns? Zum Schluss möchte Harvey ihren Vater zur Rede stellen über etwas, das sie herausgefunden hat.  Dieser Schluss hat es auf verschieden überraschende Weisen in sich – Gänsehaut und ein paar Tränen der Rührung garantiert.



Buchtitel: Mit jedem Jahr

AutorIn: Simon van Booy

Verlag: Insel Verlag

Preis: € 22,00

ISBN: 978-3-458-17699-2

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Unsere Seelen bei Nacht


Die Nacht überstehen – warum alleine?

Eines Tages steht die Witwe Addie vor der Tür von Louis, ebenfalls Witwer und ebenfalls über 70, ob er das Alleinsein nicht auch nachts am schlimmsten fände. Verdattert schaut er auf seine Nachbarin, die er nur vom Grüßen kennt. Man könne sich doch zusammen tun und reden – nein, nichts mit Sex – das meine sie nicht – einfach um sich nicht so einsam zu fühlen. So beginnt diese wunderbare,  zart erzählte Freundschaftsgeschichte, die in einer fiktiven Kleinstadt in Colorado angesiedelt ist. Zögerlich beginnen Addie und Louis miteinander umzugehen und zu reden. Aus dem Austausch über Belanglosigkeiten werden vertrauliche Gespräche über Kinder, Ehe, Träume und Wünsche. Einmal fassen sie sich sogar beim Einschlafen an den Händen. Beiden tut das abendliche Miteinander gut und bringt eine fried- und freudvolle Stimmung in ihr Leben – viel zu lange hat man sich darum geschert, was die Leute denken und die Kinder möchten, als dass man seinen Wünschen gefolgt ist. Aber genau diese Leute und Kinder können den Umgang der beiden nicht aushalten. Sie sind so gefangen in ihren Vorstellungen davon, was sich gehört, dass sie das absichtslos Schöne wischen Addie und Louis zerstören wollen. Wie die beiden damit umgehen und was aus ihnen wird, erzählt der viel zu früh verstorbene Amerikaner Kent Haruf mit wenigen Worten und viel Verständnis für das, was Menschen bewegt.

Eine Verfilmung mit Robert Redford und Jane Fonda ist in Arbeit – das kann man sich gut vorstellen. Aber der Zauber der feinen Sprache wird da wohl zu kurz kommen.



Buchtitel: Unsere Seelen bei Nacht

AutorIn: Kent Haruf

Verlag: Diogenes

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-257-06986-0

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Fast eine Familie


Am Morgen der geplanten Hochzeit ihrer Tochter brennt June Reids Haus nieder, ihre ganze Familie stirbt. June verlässt ihr Heimatstädtchen ohne Ziel, um dem Schmerz und dem Tratsch der Nachbarn zu entkommen. – Wie kann man das nicht Ertragbare aushalten, wie weiterleben nach großem Verlust?

Diese Geschichte wird aus den unterschiedlichen Perspektiven derer erzählt, die mehr oder weniger von dem Unglück betroffen sind. Ein leises Buch über das Trauern und die Verletzungen, die Menschen einander zufügen und dennoch einen Hoffnungsschimmer am Ende finden.



Buchtitel: Fast eine Familie

AutorIn: Bill Clegg

Verlag: S.Fischer

Preis: € 22,00

ISBN: 978-3-10-002399-5

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Die Wurzel alles Guten


In diesem amüsanten und sinnhaltigen Roman aus Finnland, nimmt die Hauptperson Pekka  Ähnlichkeiten mit seinem neuen Zahnarzt wahr, der auch seinen Nachnamen hat. Esko, der mit Leibe und Seele Zahnarzt ist, möchte zunächst nichts davon wissen, dass sie womöglich den gleichen Vater haben. Zwar kennen beide ihre Väter nicht, Eska möchte aber keine Unruhe in seinem Leben. Er redet Pekka lieber ins Gewissen, sich besser um die Zahnhygiene zu kümmern.

Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal einen Roman über einen Zahnarzt gelesen zu haben – sicher aber nicht, einen amüsanten, empfehlenswerten, der einen um den Globus führt. Denn die Brüder (beide nicht mehr die jüngsten) machen sich dann doch gemeinsam auf die Suche nach dem Vater. Daraus wird eine weite Reise zu interessanten Menschen und deren Geschichten, sowie in die Gefühlswelt der Brüder, die manches lernen, überdenken, entdecken und irgendwann auch zulassen.

Eine Empfehlung für alle, die Zähne haben  und / oder einen Zahnarzt, dem Sie einmal Danke sagen wollen. Denn neben der tollen Geschichte, erfährt man auch Einiges über die Hingabe an das Thema Zähne. (Das gilt natürlich auch bei Zahnärztinnen.)



Buchtitel: Die Wurzel alles Guten

AutorIn: Miika Nousiainen

Verlag: Nagel & Kimche

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-312-01038-7

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Ballbesitz


Dass es überhaupt noch der Erwähnung bedarf, dass mal eine Frau ein sachkundiges Buch über Fußball schreibt, ist ja verwunderlich – tatsächlich kommt es aber selten vor, dass ein Verlag sich traut, einen Text mit den Worten „Frauen und Fußball“ im Titel ohne gängig alberne Geschlechterklischees zu publizieren. Bei Dagrun Hintz, die sonst Theaterstücke und Lyrik schreibt, hat der mairisch Verlag gut daran getan, uns diesen wunderbar vergnüglichen Text zugänglich zu machen.

Frau Dagrun plaudert locker aus dem Leben eines Fußballfans und sinniert  unangestrengt geistreich über den Sinn des Fußballguckens, -fieberns, -plauderns und –spielens. Anhand zahlreicher Beispiele aus der jüngeren Fußballgeschichte, an die wir uns alle noch gut erinnern können, zieht sie ungewöhnliche Parallelen zum Leben, Lieben, Leiden und zum Theater. Dabei wundert man sich dann insgeheim, dass diese Autorin bis ins hohe Alter (sie ist Jahrgang 1971) Fußball absolut hohl und überflüssig fand.

Originell und amüsant sind die Passagen, die das Miteinander von Männern und Frauen mit und ohne Fußballsachverstand auf der einen oder anderen Seite beleuchten. Nicht zuletzt deswegen eignet sich dieses Büchlein auch bestens zum Vorlesen.



Buchtitel: Ballbesitz

AutorIn: Dagrun Hintze

Verlag: Mairisch Verlag

Preis: € 11,00

ISBN: 978-3-938539-45-3

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Ramas Flucht


Bewegende Bilder aus kleinen Steinen

Die in Kanada lebende Niederländerin Margriet Ruurs stolperte im Internet über unbeschreiblich ausdrucksstarke Bilder, die ein syrischer Künstler aus selbstgesuchten kleinen Steinen zusammengelegt, fotografiert und bei Facebook eingestellt hat. Über viele Umwege gelingt es ihr, Kontakt mit diesem Künstler. Nizar Ali Badr, aufzunehmen und ihn zu einem Buchprojekt zu bewegen. Das Ergebnis liegt nun in einer zweisprachigen Ausgabe deutsch – arabisch vor und lässt die Betrachtenden und Lesenden lange staunen.

Wie es möglich ist, mit Steinchen so eine diffizile Schönheit zu legen, das ist schon sehr ungewöhnlich und bewegend. Die Bilder, die Ruurs zu einer Geschichte über eine Familie, die Ihre Heimat verlassen wird, zusammengestellt hat, würden sogar auch ohne Text funktionieren, da die Steinbilder für sich sprechen. Die Geschichte ist für Kinder ab 5 Jahre gedacht, die Bilder als Kunstwerk für jedes Alter.



Buchtitel: Ramas Flucht

AutorIn: Ruurs/Badr

Verlag: Gerstenberg

Preis: € 12,95

ISBN: 978-3-8369-5973-5

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Ein wenig Leben


In Yanagiharas Roman verfolgen wir die jahrzehntelange Freundschaft von 4 Männern, in deren Zentrum Jude steht. Über ihn wissen die Freunde (und der Leser) zunächst kaum etwas. Im Verlauf der Handlung erschließt sich dem Leser langsam der Kern der sowohl physischen als auch psychischen Verletzungen, an denen Jude sein Leben lang leiden wird. Dieser Roman mag manchmal kitschig anmuten, er übertreibt teilweise mit der Darstellung von Gewalt, Schmerz  und Liebe und entwickelt doch einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Für mich eines der besten Bücher der letzten Jahre!



Buchtitel: Ein wenig Leben

AutorIn: Hanya Yanagihara

Verlag: Hanser

Preis: € 28

ISBN: 978-3-446-25471-8

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Hier bin ich


Wie soll man denn ein Buch besprechen, das wie ein Feuerwerk ist? Man könnte ja nur einzelne, brillante Bestandteile beschreiben, ohne dass sich der Gesamteindruck vermittelte. Ich versuche es trotzdem mal: Der neue Roman von Foer, den Sie wahrscheinlich kennen mit  „Alles ist erleuchtet“ und „Extrem laut und unglaublich nah“,  ist ein unglaublich gelungener über die Trennung eines Ehepaars nach 16 Jahren mit 3 halbwüchsigen Söhnen.  Erzählt und genau beobachtet wird aus der Sicht des Mannes, Jacob Bloch. Es ist auch eine liebevolle Vater-Sohn-Geschichte, die in beide Richtungen erzählt ist, denn die Hauptfigur ist  als Sohn und auch als Vater gefordert. Es ist auch ein Roman über jüdische Identität: ja oder nein, israelisch oder amerikanisch, politisch oder religiös und  ein rasanter Roman über den Untergang Israels …

Der Text lebt in der Hauptsache von Dialogen: alles wird in Frage gestellt, nichts ist eindeutig, vieles ist witzig, schrullig und absurd. Die Familienmitglieder sind mit Jacob im Gespräch, er steht permanent in Anspannung und verharrt in Passivität.. Er trägt zwar wenig zum Geschehen bei aber er schreibt:  Liebevolles bis Obszönes. Und er schafft es immerhin zu sagen: Hier bin ich – und dieses ICH ist das alles, was wir atemlos und begeistert lesen.



Buchtitel: Hier bin ich

AutorIn: Jonathan Safran Foer

Verlag: KiWi

Preis: € 26,00

ISBN: 978-3-462-04877-3

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Die Ehefrau


Bereits mit ersten Satz dieses bitterbösen und komischen Eheromans, wissen wir als Leser, dass Joan Castleman ihren überaus erfolgreichen Ehemann, einen preisgekrönten Schriftsteller, nach 40 Jahren verlassen will.

Was hinter Joans Entschluss steckt, was passiert ist in dieser nach außen so vorbildlichen Ehe, erzählt Meg Wolitzer auf wunderbar ironische und bissige Weise. Sie springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, und offenbart uns eine Geschichte, deren Ende mich überrascht hat.



Buchtitel: Die Ehefrau

AutorIn: Meg Wolitzer

Verlag: DuMont

Preis: € 23,00

ISBN: 978-3-8321-9816-9

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Nora Webster


Nora Webster wird mit Mitte 40 plötzlich Witwe, ist in den 60er Jahren im konservativen, erzkatholischen Irland nun eine alleinerziehende Mutter. Wie Nora sich langsam aus ihrer Trauer herauskämpft und versucht ein selbstbestimmtes und vielleicht sogar erfülltes Leben in der Provinz zu führen, erzählt Tóibín scheinbar unspektakulär und doch meisterhaft. Mit Nora Webster schafft der Autor eine Frauenfigur, die man lange nicht vergisst. Was für ein stilles, großartiges Buch!



Buchtitel: Nora Webster

AutorIn: Colm Tóibín

Verlag: Hanser

Preis: € 26,00

ISBN: 978-3-446-25063-5

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Geister


Samuel Anderson, ein Englischprofessor in einem Vorort von Chicago , der lieber Online-Rollenspiele spielt als sich mit Studenten zu beschäftigen, erhält einen Anruf: Seine Mutter ist verhaftet worden, weil sie einen konservativen Politiker mit Steinen beworfen hat. Ihr Anwalt bittet ihn, für sie zu bürgen. Dies allerdings fällt ihm schwer, denn seine Mutter hat die Familie vor 20 Jahren verlassen. Seitdem gab es keinen Kontakt mehr zwischen den beiden.

Hill schafft es, einen wunderbaren Familienroman auf unterschiedlichen Zeitebenen zu erzählen und nebenbei 40 Jahre amerikanische Zeitgeschichte lebendig werden zu lassen. Für mich DIE Entdeckung in diesem Leseherbst - Lesegenuss pur!



Buchtitel: Geister

AutorIn: Nathan Hill

Verlag: Piper

Preis: € 25,00

ISBN: 978-3-492-05737-0

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Das Nest


Was geschieht, wenn das in Aussicht gestellte Erbe – genannt ‚Das Nest‘ – mit dem vier Geschwister gerechnet haben, plötzlich von einem der Brüder durchgebracht wird?

Eigentlich haben die Geschwister mit ihren sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen nicht viel gemeinsam, doch nun müssen sie versuchen, gemeinsam einen Plan zu ersinnen, das Geld zurückzubekommen…

Eine manchmal witzige, ironische und doch auch warmherzige Familiengeschichte.



Buchtitel: Das Nest

AutorIn: Cynthia D `Aprix Sweeney

Verlag: Klett-Cotta

Preis: € 19,95

ISBN: 978-3-608-98000-4

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Komm her und lass dich küssen


Eine fulminante Entdeckung aus Flandern

Zur Buchmesse erscheinen viele neue Übersetzungen aus dem niederländischen Sprachraum, dem in diesem Jahr die Gastrolle in Frankfurt zukommt. Da Cover und Titel so überraschend anders daher kamen, griff ich zum Buch, ohne zu wissen, worum es eigentlich geht. Und dann war ich hin und weg und bin es immer noch.

Die flämische Autorin (Jg. 1973) erzählt die Geschichte von Mona mit neun, mit 25 und mit 35 Jahren. An einem roten Faden reiht sie Episoden aus Monas Leben, die in einer komplizierten Familienkonstellation aufwächst und sich auf den Weg ins Leben macht, ohne zu wissen, was ihr eigenes Leben eigentlich ist und sein soll. Vielerlei begabt, die Antennen auf die Bedürfnisse anderer gerichtet, reflektiert, besonnen und intelligent folgen wir ihrer Wahrnehmung. Die ist gewitzt und gescheit und dennoch stößt Mona ständig an die Grenzen anderer Menschen. Die Personen in diesem Roman sind auf vielerlei Art und Weise in sich gefangen, kompensieren ihre Verletzungen durch Rückzug, Schauspiel und Manipulation.

Wer bin ich im Umgang mit den Bedürfnissen anderer  und wie komme ich mir selber auf die Schliche, was ich will und was dran ist? Diese Fragestellung verpackt Griet Op de Beeck famos in eine spannende, skurill-melancholische Geschichte. Gerne wäre ich ihr noch ein paar Jahrzehnte gefolgt.



Buchtitel: Komm her und lass dich küssen

AutorIn: Griet Op de Beeck

Verlag: btb

Preis: € 9,99

ISBN: 978-3-442-71443-8

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Die Unvollkommenheit der Liebe


Ein sehr lesenswerter Roman der Pulitzer-Preisträgerin Elizabeth Strout:

Rückblickend erinnert sich Lucy Barton an ihren längeren Krankenausaufenthalt und den Besuch ihrer Mutter, die sie Jahre nicht gesehen hat.

Es ist eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, Lucys Kindheit war von Armut und Angst geprägt. Doch wir lesen keine bittere Abrechnung, sondern eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, ein Nachdenken über Veränderungen und über  Beziehungen, die selbstbestimmt sind.



Buchtitel: Die Unvollkommenheit der Liebe

AutorIn: Elizabeth Strout

Verlag: Luchterhand

Preis: € 18,00

ISBN: 9783630875095

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Die Töchter einer neuen Zeit


Vier Frauen in Hamburg, denen wir im Frühjahr 1919 in Hamburg begegnen, stehen im Mittelpunkt dieses wunderbaren Schmökers. Sie kommen aus verschiedenen Welten, obwohl sie nur wenige Straßen voneinander entfernt wohnen.
Henny und Käthe beginnen eine Hebammenausbildung in Hamburg. Käthe stammt aus einfachen Verhältnissen und unterstützt die Kommunisten, Henny lebt zusammen mit ihrer verwitweten Mutter und kümmert sich nicht um Politik. Sie lernen Ida kennen, die in einem der herrschaftlichen Häuser wohnt und nicht viel weiß vom Leben jenseits ihres gutsituierten Umfelds. Die vierte im Bunde ist Lina, sie führt als alleinstehende Lehrerin ein unabhängiges Leben. So verschieden die Frauen sind, so eng wird ihre Freundschaft über die Jahrzehnte.

Der erste Band dieser Trilogie endet 1948. Im Mai 2017 soll der Folgeband erscheinen und man darf gespannt sein, was das Schicksal für die Freundinnen zu Beginn der Bundesrepublik bereit hält. Bestes Lesefutter im Stil von Christine Brückners „Jauche und Levkojen“!



Buchtitel: Die Töchter einer neuen Zeit

AutorIn: Carmen Korn

Verlag: Kindler

Preis: € 19,95

ISBN: 978-3-463-40682-4

Gelesen und empfohlen von: Eva Wösthoff



Bilqiss


Eine verwitwete Frau (Mitte 20) hat in einem nichtbenannten, islamischen Land gegen alle möglichen Regeln verstoßen und steht nun vor dem Richter. Auch für weniger auffälliges Verhalten hat es schon Todesurteile durch Steinigung gegeben. Die Besucher vor Gericht können es kaum erwarten, diese aufmüpfige Frau in ihre Schranken zu weisen.

Die junge Frau heißt Bilquiss, sie hat nichts mehr zu verlieren und sie nutzt ihre Zeit vor Gericht, ihrem Herzen Luft zu machen. Es geht ihr nicht darum, ihre Haut zu retten, es geht ihr darum Heuchelei und Feigheit anzusprechen und das Gefängnis des Glaubens, der das Lebendige in Regeln erstickt.  Der Richter hört ihr wie gebannt zu und verschiebt täglich  die Verkündung des Urteils. Wie Scheherazade in 1001 Nacht verlängert Bilqiss sprechend ihr Leben.

Knallhart, messerscharf.  LESEN!



Buchtitel: Bilqiss

AutorIn: Saphia Azzeddine

Verlag: Wagenbach Verlag

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-8031-3281-9

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Du sagst es


Dieser Roman, der in den Niederlanden zu besten Buch des Jahres2015 gekürt wurde, ist ein Porträt der Liebe der schillernden Schriftstellerpersönlichkeiten Sylvia Plath und Ted Hughes. Was ist darüber nicht schon alles geschrieben worden. Der Einzige, der nach dem Freitod von Sylvia Plath schwieg, war Ted Hughes. Connie Palmen geht nun hin und schildert diese intensive Beziehung (auf Grundlage vieler Zeugnisse beider) aus seiner Sicht. Welch ein Wagnis und welch ein Gewinn. Obwohl beide Charaktere kompliziert sind, schafft Connie Palmen es,  mit Respekt und  Kenntnis über die Brüchigkeit der menschlichen Oberfläche einen faszinierenden Text zu komponieren. Eine Reise in die tiefen Gründe der menschlichen Seele. Brillant.



Buchtitel: Du sagst es

AutorIn: Connie Palmen

Verlag: Diogenes

Preis: € 22,00

ISBN: 978-3-257-06974-7

Gelesen und empfohlen von:



Die störrische Braut


Es hieß ja schon mal, die große Dame der amerikanischen Literatur würde nicht mehr schreiben wollen. Zum Glück hat Anne Tyler, Jahrgang  1941, das nicht wahrgemacht. Ihr neuer Roman ist ein wunderschönes Beispiel ihrer „Weisheit und Unterhaltsamkeit“ wie es ein Rezensent mal auf den Punkt brachte.

Es geht um Kate, 29 Jahre, die für ihren zerstreuten Professoren-Vater und ihre aufmüpfige Teenager-Schwester den Haushalt schmeißt. Die Mutter verstarb früh und Kate kümmerte sich prima um alles und dabei ist es halt geblieben. Der schrullige Vater forscht seit Jahren in Sachen Autoimmunerkrankungen und meint mal wieder vor dem Durchbruch zu stehen. Er sorgt sich um die ablaufende Aufenthaltserlaubnis seines weißrussischen Assistenten Pjotr und bittet seine Tochter um Hilfe. Kate hatte sich zwar leidenschaftslos in ihrem Leben eingerichtet, aber dieses Ansinnen des Vaters bringt sie und die ganze Verwandtschaft in Fahrt.

Es ist ein Projekt mit international renommierten Autoren zum 400. Todestag Shakespeare`s, dem wir diese amüsante, wunderbare  Adaption „Der widerspenstigen Zähmung“ zu verdanken haben. So macht Klassiker lesen Spaß!



Buchtitel: Die störrische Braut

AutorIn: Anne Tyler

Verlag: Knaus

Preis: € 19,99

ISBN: 978-3-8135-0655-6

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Buchstabe und Geist. Eine Spukgeschichte.


Das ihm drohend erscheinende, heranrückende Datum seines dreißigsten Geburtstags bewegt Felix Mandaat zur Annahme einer Anstellung in einer Universitätsbibliothek. Ausschnittweise erfahren wir von seinem früheren Leben, der Existenz eines zwar gelingenden, aber dennoch sehr einsamen Lebens eines Träumers. Diesem Dasein sucht Mandaat zu entkommen um durch eine ordentliche Anstellung einen echten Platz in der Mitte der Gesellschaft zu finden. Doch dieser Übergang wird ihm alles andere als leicht gemacht. Was allen seinen Kollegen und Vorgängern spielend zu gelingen scheint, das Einfügen in das soziale Gefüge und eine Reihe einfacher, mitunter stupider Arbeitsabläufe, fällt Mandaat schwer und er reagiert mit einer Mischung aus Abwehr und dem beständigen Kampf um Anerkennung. Gefangen in der Perspektive der Hauptfigur versucht auch der Leser sich in dem Irrgarten der Bibliothek zurecht zu finden und die Rätsel zu lösen, die Mandaat hier aufgebeben werden. Ist sein Vorgänger Meneer Brugmann wirklich verschwunden und wenn ja, wohin? Ist es ein wirklicher Geist, dem Mandaat da im Magazin der Bibliothek begegnet? Gebrochen durch die Perspektive des neuen, des Fremdkörpers Mandaats ergeben sich eine Reihe skurriler Momente von grandioser Komik und Absurdität. Dadurch ist der Roman sehr kurzweilig zu lesen, regt mit seiner Symbolträchtigkeit aber zugleich auch beständig zum Nachdenken und Ergründen eines spürbar präsenten Hintersinnes an.

Diese vom Lilienfeld Verlag jetzt erstmals auf Deutsch (in der der Übersetzung von Rainer Kersten) herausgegebenen Romans, der in den Niederlanden schon 1982 erschienen ist, ist ein eindeutiger Gewinn für das deutsche Lesepublikum und macht Lust, mehr von diesem in den Niederlanden sehr bekannten wichtigen Autor Frans Kellendonk (1951 - 1990) zu lesen.



Buchtitel: Buchstabe und Geist. Eine Spukgeschichte.

AutorIn: Frans Kellendonk

Verlag: Lilienfelddiana

Preis: € 19,90

ISBN: 978-3-940357-53-3

Gelesen und empfohlen von: Stella Herold



Die Kunst, stilvoll älter zu werden


Zugegeben ist die Welt der Mode, des Make-Up und des Jet-Set nicht meine, dennoch habe ich das Buch der ZEIT-Journalistin Susanne Mayer, Jahrgang 1952, sehr gerne gelesen. Denn neben den Styling-Überlegungen und den Modemarkencheck für in die Jahre gekommene Damen mit einer eleganten Ausstrahlung und Haltung bietet dieses schön ausgestattete Buch charmante, witzige, scharfsinnige und bissige Reflexionen über den Prozess des Älterwerdens in unserem Land.
Besonders faszinierend sind die Schilderungen der Begegnungen mit alten Frauen überall in der Welt, die Ihrem Sinn für Eleganz auf ihre ganz eigene Weise frönen. Angereichert sind diese kurzweiligen Essais im Anhang mit Hinweisen auf Internetseiten, auf denen dem Vintage-Blues frischer Wind entgegenweht. Dabei geht es nicht um das Unsichtbarmachen der Alterungserscheinungen sondern um Haltung und humor- und respektvoller Umgang mit sich selbst.
Das ist eine perfekte Geschenkidee (für Ladies) und Lektüre für den Gartenstuhl.



Buchtitel: Die Kunst, stilvoll älter zu werden

AutorIn: Susanne Mayer

Verlag: Berlin

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-8270-1300-2

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Der fünfte Brief


Wenn Krimis in Amsterdam spielen, bin ich von Natur aus neugierig. Dieser tolle Schmöker beginnt zwar in Südfrankreich, führt uns aber nach Amsterdam und in die Geschichte der Niederlande. Ein emeritierter Professor für Mittelalterforschung wird ermordet aufgefunden. Seine Tochter Elsa erfährt von seinen jüngsten, geheimen Forschungen, aufgrund verschlüsselter Hinweise, die er ihr gemacht hat. Wir Leser begleiten die intelligente junge Frau auf ihrer Schnitzeljagd, bei der sie selbst zur Zielscheibe der Mörder wird. Was hat es mit diesem Dokument auf sich, das der Vater fand – wieso hat es anscheinend heute noch politische Brisanz?

Mit viel Spannung, Einfallsreichtum und Witz führt der bekannte niederländische Autor und Comedian (Jg. 1979) uns durch diese Geschichte, deren Handlung sich auf 24 Stunden erstreckt. Das reicht dem Autor um Elsas Leben auf den Kopf zu stellen, an den Grundfesten der niederländischen Monarchie zu rütteln und uns ans Buch zu fesseln.



Buchtitel: Der fünfte Brief

AutorIn: Arjen Lubach

Verlag: BTB

Preis: € 8,99

ISBN: 978-3-641-10706-2

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Der weite Raum der Zeit


Ein herausragendes Romanprojekt hat die Hogarth Press zum 400. Todestag Shakespeares ins Leben gerufen. Internationale Autorenstars adaptieren eines seiner Dramen und schreiben eine moderne Romanversion, denn "Macht, Rache, Gerechtigkeit, Liebe, Eifersucht, die großen unvergänglichen Antriebsfedern des Menschen, mit denen Shakespeare spielte, funktionieren heute noch genauso wie damals" so die Programmleiterin des in Deutschland publizierenden Knaus Verlags.
Jeanette Winterson hat mit „Der weite Raum der Zeit“ das „Wintermärchen“ adaptiert und diese gewaltige Story um rasende Eifersucht in das heutige London verlegt. Absolut überzeugend und mitreißend erzählt sie „ein Stück über Vergebung, Zukunft und darüber, wie beides ineinandergreift. Zeit ist umkehrbar" – so hat sie es selber beschrieben.



Buchtitel: Der weite Raum der Zeit

AutorIn: Jeanette Winterson

Verlag: Knaus

Preis: € 19,99

ISBN: 978-3-8135-0673-0

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Das gläserne Klavier


Das ist die Sorte Buch, die ich früher wochenlang mit mir herumgetragen habe. Da stimmt einfach alles, der Erzählton, die Perspektive, die Sprache, die Tiefe der Gedanken und das Tempo der Geschichte. Thema ist das unfassbare, was das Leben ausmacht, angesichts existenzieller Herausforderungen. Dazu gehört in erster Linie Liebe, hier familiär und Humor. Diese Kombination kennen wir oft in Romanen jüdischer Prägung. Toews ist eine kanadische Autorin (Jg. 1964), die in einer Mennonitengemeinde aufwuchs und autobiografische Begebenheiten in ihren Roman einfließen lässt.
Wie verhältst Du Dich, wenn Deine geliebte ältere Schwester Dich bittet, Ihrem Leben (vor dem 50 Lebensjahr) ein Ende zu setzen, während Du Deine alternde Mutter vor diesem Wissen bewahrst, Dich um Deine Teenager-Kinder und Dein eigenes Beziehungsleben kümmerst? Ein intensiver, strotzender Roman.



Buchtitel: Das gläserne Klavier

AutorIn: Miriam Toews

Verlag: Berlin

Preis: € 22,00

ISBN: 978-3-8270-1249-4

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Das letzte Nashorn


Ein ambitionierter Zoodirektor in Amsterdam hat eine Zukunftsvision seines Tierparks – dabei spielen vom Aussterben bedrohte Nashörner eine große Rolle. Um sein Projekt des Nashornnachwuchses auf die Sprünge zu helfen wird eine Expertin aus Südafrika eingeflogen, deren Charme der Direktor sofort erliegt. Viel spektakulärer ist der Einflug des Nashornbullen „Albrecht“ aus Berlin. Mit manch filmreifen Szenen und einem spektakulären Showdown entwickelt sich zwar manches anders als geplant, die Leser bekommen aber einen guten Einblick in das Für und Wider der Zootierhaltung und eine berührende Nahsicht auf die Verhältnisse der Nashörner und ihrer Beschützer in Afrika.
Kurzweilig, vergnüglich, spannend, ein bisschen skurril und nebenbei – völlig unanstrengend - informativ.



Buchtitel: Das letzte Nashorn

AutorIn: Lodewijk van Oord

Verlag: Knaus Albrecht

Preis: € 19,99

ISBN: 978-3-8135-0687-7

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Per Zeitmaschine durch die Geschichte


Dieser „Reiseführer“ nimmt seine Leser nicht nur mit an ausgefallene Orte, sondern führt sie zurück zu einigen geschichtsträchtigen Meilensteinen der älteren und jüngeren Vergangenheit. So zum Beispiel zu dem Zug der Frauen nach Versailles, der ersten Weltausstellung in London, dem Ausbruch des Vesuvs oder dem Fall der Berliner Mauer. Im launigen Ton, der an „Per Anhalter durch die Galaxis“ erinnert, wird der Reiseverlauf beschrieben und die Besonderheiten des Ereignisses hervorgehoben. Ein besonderes Vergnügen sind die Verhaltensregeln für die Zeitreisenden, damit sie nicht aus dem geschichtlichen Rahmen fallen.



Buchtitel: Per Zeitmaschine durch die Geschichte

AutorIn: Johnny Acton, David Goldblatt, James Wyllie

Verlag: Atlantik Verlag

Preis: € 17,00

ISBN: 978-3-455-37035-5

Gelesen und empfohlen von: Rebecka Piepke



Aquarium


Dieser kleine Roman ist ein gewaltiges Buch über das Aufbrechen von alten Wunden. Die 12 jährige Caitlin lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter Sheri unter prekären Bedingungen in Seattle. Geborgen in ihrer gegenseitigen Zuneigung kommen die beiden irgendwie über die Runden. Caitlin verbringt die tägliche Wartezeit auf ihre schuftende Mutter in einem öffentlichen Großaquarium und betrachtet die unglaublichen Formen, Farben und Verhalten von Meeresbewohnern. Allein die Beschreibung der Fische, die auch in Zeichnungen dem Text hinzugefügt sind, lohnt die Lektüre dieses kraftvollen Romans.
Die Wucht erhält er aber durch den Einzug einer Person aus der Vergangenheit der Mutter, die alte, scheinbar unheilbare Wunden aufreißt. Mit viel Gespür erzählt Vann die Geschichte aus der Sicht der nun erwachsenen Caitlin, die sich erinnert, trauert und liebt. Die Lektüre vermittelt einem die Schwere und Atemnot von „Früchte des Zorns“ und das Glück, einen außergewöhnlichen Roman entdeckt zu haben.



Buchtitel: Aquarium

AutorIn: David Vann

Verlag: Suhrkamp

Preis: € 22,95

ISBN: 978-3-518-42536-7

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Inspektor Takeda und die Toten von Altona


Sommerzeit ist Krimizeit: meine neueste Entdeckung spielt in Hamburg-Altona. Ein „altes linkes“ Buchhändler-Ehepaar wird in der Wohnung tot aufgefunden: Doppelselbstmord. Wäre das nicht ein Routinefall, hätte man den japanischen „Austauschkommissar“ wohl kaum hingeschickt. Dieser hat aber Erfahrung und untrügliche Sinneswahrnehmungen, die schnell zur Erkenntnis führen, dass es sich um Mord handelt. Feinsinnig erzählt Siebold von diesem kulturell anders geprägten Mann im rauen Altonaer Alltag an der Seite der ambitionierten Kommissarin Claudia Harms. Die Spurensucher ermitteln schnell Eifersucht, Immobilienspekulation, Insolvenz, Familienstreitereien. Aber wie passt das alles zusammen? Dieser Krimi bietet über Stadtgeschichte, Japaneinblicke, Saxophonjazzliebhabereien und Buchhandelswelt eine ganze Menge Spannung und Schmökerstoff.



Buchtitel: Inspektor Takeda und die Toten von Altona

AutorIn: Henrik Siebold

Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag

Preis: € 9,99

ISBN: 978-3-7466-3213-1

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Endgültig


Bis zu ihrem dramatischen Einsatz in Barcelona war Jenny Aaron Teil einer Elitetruppe der Polizei. Doch obwohl sie und ihr Partner sturmerprobte Ermittler und Kämpfer sind, lief der Einsatz schief. Dabei verliert Jenny Aaron das Augenlicht und ihr Partner fast das Leben. Als sie fünf Jahre später als Fallanalytikerin wieder zu ihrer alten Truppe beordert wird, reißt die Zusammenkunft kaum verheilte Wunden wieder auf. Was als eine normale Fallanalyse beginnt, entwickelt sich zu einem rasanten Katz-und-Maus-Spiel und Jenny Aaron muss bald erkennen, dass hinter Barcelona viel mehr steckt, als eine verpatzte Mission.



Buchtitel: Endgültig

AutorIn: Andreas Pflüger

Verlag: Suhrkamp

Preis: € 19,95

ISBN: 978-3-518-42521-3

Gelesen und empfohlen von: Rebecka Piepke



Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben


Ein leicht anmutender französischer Sommerroman, der es in sich hat. Die Idee des Email-Romans ist zwar nicht neu und seit dem großen Erfolg von  „Gut gegen Nordwind“ bisher auch nicht zu toppen. Doch dieser Schriftwechsel zwischen einem 60jährigen Erfolgsschriftsteller, der seit Jahren nicht mehr schreibt und dieser jüngeren Frau, die ihm ein rätselhaftes Päckchen schickte, ist spannender und facettenreicher als das Herzchen-Cover vermuten lässt.

Er fragt nach ihrer Adresse um ihr das vermeintlich unverlangt zugesandte Manuskript zurückzuschicken und schwupps, tauschen sie sich über die Wechselfälle ihrer beider Lebens aus. Aus einem heiteren „Nennen sie mir 10 gute Gründe, warum das Leben schön ist.“ (trotz all der Erfahrungen, die schon gemacht wurden)  wird eine faszinierende Reise in beider Vergangenheiten, die mehr miteinander verbindet, als wir Lesenden lange (nicht) erahnen. Und da die Wechselfälle sich nicht nur auf die Vergangenheit beziehen können, fiebern wir der Lösung des Rätsels entgegen und bei der Entwicklung dieser sympathischen Online-Freundschaft mit.



Buchtitel: Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben

AutorIn: Anne - Laure Boudoux , Jean - Claude Mourlevat

Verlag: Deuticke

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-552-06325-9

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Ventoux


Ein Muss für Radsportfans! Für alle anderen ein toller Sommerroman mit radsportbegeisterten Niederländern, die in den 80er Jahren zusammen den Mont Ventoux bezwungen haben. Was dort damals passierte hat keiner der heute 50jährigen vergessen. Drei von ihnen treffen wieder aufeinander – ganz unterschiedlich durchs Leben gegangen. Wir lernen sie kennen, von Kindsbeinen an – atmosphärisch toll erzählt. Und dann meldet sich DIE Frau, in die sie alle während ihres Tour de France- Abenteuers verliebt waren und sie machen sich wieder auf zum Mont Ventoux. Laura will endlich darüber sprechen, was damals wirklich geschah …



Buchtitel: Ventoux

AutorIn: Bert Wagendorp

Verlag: btb

Preis: € 19,99

ISBN: 978-3-442-75475-5

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Wir sehen uns am Ende der Welt


Unbedingt empfohlen, für alle, die Ihren Urlaub in den Bergen verbracht haben – hier wird die Faszination der Beschaffenheit der Berge  aufs Papier gebannt. Auch alle anderen können sich diesem ungewöhnlichen Roman widmen, der sowohl das Dauernde als auch das sich stetig  Ändernde der Gebirge  mit den Wechselfällen des Lebens kombiniert. Die Tätigkeit des Wanderns, ohne Ehrgeiz aber immer mit  Blick für die Beschaffenheit, in den österreichischen und schweizerischen Alpen wird hier zu Schönheit. Und die Suche nach und Trauer um den verschollenen Freund mündet in die Suche nach Zeugnissen des berühmten Geologen Albert Heim, der die Berge in Reliefpanoramen bannte und ihre Schönheit sichtbar machte.

 

Lassen Sie sich auch von der Autorin verzaubern:

am 30. August bei uns zu Gast, Beginn 19 Uhr, VVK 8,00



Buchtitel: Wir sehen uns am Ende der Welt

AutorIn: Miek Zwamborn

Verlag: Nagel & Kimche

Preis: € 22,90

ISBN: 978-3-312-00665-6

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Das Seelenleben der Tiere


Fabeln vom listigen Fuchs und Geschichten vom bösen Wolf hat jeder schon mal gehört. In Peter Wohllebens neuem Buch erfahren wir allerdings, dass Fuchs, Wolf und Co. keineswegs  das Monopol auf die ihnen nachgesagten Eigenschaften haben. Ein liebestoller Hahn ist manchmal nicht weniger gerissen als Reineke und ein Hirschkalb beweist mitunter auch mal wahren Löwenmut.  Gestützt auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse  erklärt Wohlleben dem Leser die komplexen Verhaltensweisen und Gefühlsregungen unserer heimischen Tierwelt. Und das auf eine so unterhaltsame Weise, dass man traurig ist, kein dickeres Buch in den Händen zu halten. 



Buchtitel: Das Seelenleben der Tiere

AutorIn: Peter Wohlleben

Verlag: Ludwig Verlag

Preis: € 19,99

ISBN: 978-3-453-28082-3

Gelesen und empfohlen von: Rebecka Piepke



Schmetterlinge


Schmetterlinge sind so wundersame Wesen, dass sie schon von alters her besonders beachtet wurden. Im altgriechischen wurden sie „Psyche“ genannt und vielfach galten sie als Symbol für die gläubige Seele. Ihre Entwicklungsstadien sind so sonderbar unterschiedlich, dass diese einzigartigen Wesen der Wissenschaft bis heute Rätsel aufgeben.

Andrea Grill ist Schmetterlingskundige und Autorin. Sie vermag es, die Faszination der Tiere, ihrer Lebenswelt und Entwicklung leichtfüßig und informativ zu verpacken. Das Büchlein ist eine kulturgeschichtliche und naturwissenschaftliche Verführung, wie die gesamte Reihe „Naturkunden“, die im Matthes & Seitz Verlag von Judith Schalansky herausgegeben wird.

Jedes Buch ist einzigartig gefertigt und für sich eine Augenweide. Die Texte gelten der Vielfalt der Natur als „leidenschaftliche Erforschung der Welt: kundig, anschaulich und im Bewusstsein, dass sie dabei vor allem vom Menschen erzählt – und von seinem Blick auf eine Natur, die ihn selbst mit einschließt“. Es gibt Bände über Eulen, Esel, Schnecken, Schweine, Pilze, Federn ….



Buchtitel: Schmetterlinge

AutorIn: Andrea Grill

Verlag: Matthes & Seitz

Preis: € 18,00

ISBN: 978-3-95757-249-3

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz



Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters


Es liest sich wie ein spannender, witziger, absurder Roman voller liebenswert-schrulliger Figuren. Da es die Schilderung einer wahren Begebenheit ist, handelt es sich bei dem Schmöker des Berliner Autors wohl um ein Sachbuch. Der fast 30jährige Sohn startet einen Versuch,  seinen in sich versunkenen Vater, der in Leipzig einen russischen Spezialitätenladen führt, aus seinem Trott zu holen. Seinerzeit in der Ukraine war er ein gewiefter und beliebter Geschäftsmann. Seit der Ankunft als Kontingentflüchtling in den 1990er Jahren in Ostdeutschland, hat er seinen Charme und Esprit verloren.

Eine Reise nach Israel wollen sie gemeinsam starten. Bis dato war ihr einziges gemeinsames Ausflugsziel der örtliche Supermarkt und wirklich umeinander wissen tun sie schon lange nicht mehr. Der Vater begibt sich in Israel auf die Suche nach alten Freunden und Erinnerungen, der Sohn, ein halber Jude, auf die Suche nach seinem „unsichtbaren“ Vater und seiner eigenen (religiösen) Identität. Das ist tragisch und komisch und als Reflexion über die Bedeutung von Religion sehr aktuell. Und sehr empfehlenswert.



Buchtitel: Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters

AutorIn: Dmitrij Kapitelmann

Verlag: Hanser

Preis: € 20,00

ISBN: 978-3-446-25318-6

Gelesen und empfohlen von: Stella Herold



Geronimo


Bitte nicht auf den Klappentext achten und wenn Sie ihn doch versehentlich gelesen haben, bitte nicht abschrecken lassen. Sie halten nämlich nicht nur einen politischen Thriller in der Hand  sondern auch einen bezaubernden Liebesroman und eine wunderbare Annäherung an die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach. Und wenn Sie glauben, dass J.S. Bach, lebendige Liebe, Bin Laden und  amerikanische GI`s nicht zusammen in einen Roman passen, gebe ich Ihnen im Prinzip recht. Wenn der Autor aber Leon de Winter heißt, geht das reibungslos, geschmeidig und wunderbar. Ein unvergesslicher Schmöker.



Buchtitel: Geronimo

AutorIn: Leon de Winter

Verlag: Diogenes

Preis: € 24,00

ISBN: 978-3-257-06971-6

Gelesen und empfohlen von: Elisabeth Evertz